Daten und Fakten zu West-Papua

Inhalt:
Name
Die vor-koloniale und koloniale Periode (bis 1945):
Die Periode der Vorbereitung auf die Selbständigkeit (bis 1963):
Die Periode unter indonesischer Militärdiktatur (bis 1989)
Die Periode der sogenannten Reformära (bis heute)

Name: Der Name Papua ist ursprünglich keine Selbstbezeichnung. Schon der Portugiese Jorge de Meneses, der die Nordwestküste 1526 erreichte, soll von den Inseln als den „Ilhas dos Papuas“ gesprochen haben. Er habe dabei das malaiische Wort „papuwah“ gebraucht, das „Menschen mit Kraushaar“ bezeichnen soll. In Tidore soll der Name Papua synonym mit „Sklave“ gebraucht worden sein. Der Sultan von Tidore erhielt seine Sklaven von den Ilhas dos Papuas. So bezeichnet das Wort ursprünglich die dunkelhäutigen Menschen, denen die portugiesischen und spanischen Seefahrer auf den Inseln am westlichen Rand des Pazifik begegneten. 1545 segelte der Spanier Ortiz di Retes an der Nordküste „Neuguineas“ entlang. Er gab dem Land diesen Namen, da ihn die Küste an das afrikanische Guinea erinnerte.

Der Name „Irian“ stammt wohl von dem Biakschen Wort „irjan“. Dies Wort bedeutet in Biak „schön, hell“, oder auch „aus dem Meer aufsteigend“. Bei den Menschen der Cendrawasih-Bucht bedeutet es „Land ohne Blutvergießen“ und in der Gegend von Numbai (Jayapura) bedeutet es „unser Eigentum“. Dies Wort wurde erstmals von dem Biaker Frans Kasiepo auf der Malino-Konferenz (1946, bei Makassar) zur Bezeichnung von West-Neuguinea gebraucht. Es wurde dann von proindonesischen Politikern aus West-Papua und von der indonesischen Politik aufgegriffen und gebraucht.

1961 beschloss der Papuarat, im Gegensatz zum indonesischen Sprachgebrauch das Land „West-Papua“ zu nennen. Nach der Übernahme durch Indonesien wurde die offizielle Bezeichnung „Irian-Barat“ (West-Irian), 1969 wurde die Provinz in „Irian-Jaya“ umbenannt. Die Bezeichnung Papua oder West-Papua wurde von den Indonesiern verboten. Der Name Irian Jaya war bei den Papua verhasst, deswegen forderten sie von 1998 an eine Umbenennung in Papua oder West-Papua. Erst seit dem 1.1.2002 ist mit dem in Kraft treten des Sonderautonomiegesetzes der Name der Provinz nun offiziell Papua.

Am 27.1.2003 erließ die Präsidentin Megawati Sukarnoputri eine Verordnung zur Beschleunigung derAufteilung Papuas in drei Provinzen (Inpres Nr. 1 / 2003). In dieser Verordnung nannte sie die beiden neuen abgeteilten Provinzen „West-Irian-Jaya“ (Vogelkopfregion) und „Mittel-Irian-Jaya“ (Von Timika im Süden bis Biak im Norden). Obwohl noch ohne Rechtsgrundlage, scheint sich die abgespaltene Provinz „West-Irian-Jaya“ de facto zu halten. Der Name bezeichnete nur die Vogelkopfregion, während West-Papua das gesamte West-Neuguinea bezeichnete.

Im Mai des Jahres 2007 beschlossen die Gouverneure, die abgespaltene Provinz “West-Irian-Jaya” von nun an “West-Papua” zu nennen. West-Papua wird jetzt also innerhalb des Landes für die Vogelkopfregion gebraucht – wie auch im internationalen Sprachgebrauch immer noch für ganz West-Neuguinea. Dies ist äußerst verwirrend.

Geschichte:
Die vor-koloniale und koloniale Periode (bis 1945):
Schon vor der Entdeckung der Insel durch Europäer gab es Handelskontakte nach Westen. Die Bewohner der Nord- und Westküste waren Seefahrer, die mit den im Westen gelegenen Inseln Handel trieben. Es gab allerdings auch sehr viel Seeräuberei.
1351 Es soll auf der Insel Misol, einer der Raja-Ampat-Inseln, ein islamischen Königreich Waigama gegeben haben.

1511 Der portugiesische Seefahrer Antonio d’Abreu erreicht die Aru-Inseln an der Südwest-Küste.

1526 Der Portugiese Jorge de Meneses erreicht die Nordwestküste. Er soll den Inseln den Namen „Ilhas dos Papuas“ gegeben haben.

1534 belagerten die Portugiesen Tidore. Dem bedrängten Sultan soll eine große Flotte von Papua-Kriegsbooten zur Hilfe gekommen sein, so dass es ihm gelang, die Portugiesen zu vertreiben. Nach der Legende soll die Papua-Flotte unter dem Kommando des kühnen Seefahrers und Helden Kura Besi gestanden haben. Er wurde der Schwiegersohn des Sultans, ein Herrscher von gleichem Rang.

1545 segelte der Portugiese Inigo Ortiz de Retes an der Nordküste entlang. Da ihn die Küste an das westafrikanische Guinea erinnerte, gab er ihr den Namen “Neu Guinea“.

1596 Nach Berichten von Jesuiten soll ein Papua-Fürst die nordmolukkische Insel Bacan besucht haben. Er müsste dann von Misol oder Waigeo gekommen sein.

1623 Der niederländische Seefahrer Jan Carstensz entdeckt von der Südküste aus einen schneebedeckten Gipfel, der fortan nach ihm „Carstenszspitze“ genannt wird. Die Indonesier gaben dem Gipfel den Namen „Puncak Jaya“, mit 5027 m ü.M. der höchste Berg Südostasiens. Erst 1907 wurde der Gipfel von Teilnehmern einer Expedition unter H.A. Lorenz bestiegen.

1667 Die Ostindische Kompanie schließt einen Vertrag mit dem Sultan von Tidore. Neuguinea wird ihm unterstellt. Als Gegenleistung muss er die europäische Konkurrenz aus den Molukken fernhalten.

1775 errichtete ein britischer Händler namens Thomas Forrest eine Niederlassung im heutigen Manokwari und nannte sie Fort Albion. Doch die Papua zerstörten die Gebäude.

1793 Der britische Kapitän Heyes kommt nach Manokwari und gründet eine Niederlassung, die er Fort Coronation nannte Während der Konfrontation der Briten mit den Niederländern wurde die Siedlung wieder aufgegeben.

1810 – 1816 stand Niederländisch Indien ganz unter britischer Verwaltung. In jener Zeit wurde der Linksverkehr eingeführt.

1828 baute der niederländische Resident der Molukken an der Südküste Papuas in der Tritonbucht in der Nähe des heutigen Kaimana ein Fort, das er Fort Du Bus nannte. Bei der feierlichen Eröffnung des Forts am 24.8.1828 wurde erstmals der 141. Längengrad als Begrenzung des niederländischen Gebietes in Richtung Osten genannt. Wegen des ungesunden Klimas und des fortdauernden Widerstandes der Bevölkerung musste diese erste Niederlassung der Niederländer schon nach 7 Jahren wieder aufgegeben werden.

1848 wurde niederländische Anspruch auf West-Neuguinea bis zum 141. Längengrad noch einmal offiziell im Namen des Sultans von Tidore wiederholt.

1855 Die beiden ersten Missionare Johann Gottlob Geißler und Carl Wilhelm Ottow gehen auf der Insel Mansinam bei dem heutigen Manokwari an Land. Die beiden waren deutsche Handwerkermissionare, durch Pfarrer Goßner in Berlin ausgebildet und durch Pfarrer Heldering in den Niederlanden ausgesandt.

1865 Die Niederländische Regierung beansprucht erstmals West-Neuguinea bis zum 141. Längengrad
seit 1891 regelmäßige Schiffsverbindung der KPM (Königlich-Niederländische Paketfahrt-Gesellschaft) an die wichtigsten Küstenorte West-Papuas.

1898 Erste Niederlassung der niederländischen Regierung in Manokwari, fast gleichzeitig werden Regierungszentren in Fakfak und Merauke gegründet.

1900 – 1912 Die sogenannte „Militärische Expedition“ zur Erforschung der Küstengebiete WestPapuas erforscht die Nordküste. Entlang der Flussläufe wird auch das Hinterland der Küste erforscht, so z.B. das Mamberamo-Flussgebiet.

1920 Manokwari wird der Sitz des niederländischen Residenten. West Papua ist „Residenz“ (Verwaltungseinheit) und untersteht also nicht mehr dem Residenten von Ambon. Dieser Status wird schon 1924 wieder aufgegeben und das Gebiet wieder dem Residenten von Ambon unterstellt.

Um 1920 gab es auch je einen niederländische Regierungsposten in Sorong, Bosnik und Hollandia. Babo wird unter einem ambonesischen Regierungsbeamten eröffnet.

1927 Errichtung eines Internierungslagers in Boven Digoel (Tanah Merah, Merauke) für Gefangene nach den kommunistischen Aufständen auf Java und Sumatra.

1934 Gründung der Molukkisch-Protestantischen Kirche (GPM) mit Gemeinden in Merauke und Fakfak.

1935 Gründung der Niederländisch-Neuguinea-Petroleum-Gesellschaft, die in Klamono bei Sorong mit der ersten Ölbohrung beginnt.

1936 Der Pilot Leutnant Wissel entdeckt aus der Luft die Pania-Seenplatte. Die Seen wurden nach ihm „Wisselmeere“ genannt. Von jetzt an landeten hier regelmäßig Wasserflugzeuge.

1938 gibt es in West-Papua 15 niederländische und 60 indonesische Regierungsbeamten, dazu 400 meist ambonesische Polizeibeamte und 200 Papua-Hilfspolizisten.

1938 Die amerikanische Archbold-Expedition erforscht das Hochland und entdeckt das Balimtal. Man landete mit Wasserflugzeugen auf dem Archbold- und Habbema-See und auch auf dem Balimfluss.

7.12.1942 Überfall der Japaner auf Pearl Habour

1942 – 44 Besetzung weiter Teile Neuguineas durch die Japaner .Merauke und Port Moresby können von den Alliierten gehalten werden.

1943 Blutige Unterdrückung der Koreri – Bewegung auf Biak durch die Japaner.

22.4.1944 Eroberung von Hollandia durch die Amerikaner unter MacAthur.

15.8.1945 Kapitulation Japans

17.8.1945 Ausrufung der Unabhängigkeit Indonesiens durch Sukarto und Hatta. Die Zugehörigkeit West-Papuas zu Indonesien ist zwischen Sukarno und Hatta strittig.

Die Periode der Vorbereitung auf die Selbständigkeit (bis 1963):

1944 Eröffnung der „Oberschule für Jungen“ (JVVS) in Joka (Waena) unter der Leitung von I.S.Kijne, eine Fortsetzung der alten Schule von Miei, die von den Japanern geschlossen worden war.

1946 West Papua wird wieder eine selbständige „Residenz“ (Verwaltungseinheit). Erster Resident ist Jan van Eechoud. Der Biaker Frans Kasiepo und andere Papua fordern, dass alle Ambonesen Papua verlassen. Von Eechoud eröffnet eine Verwaltungs- und eine Polizeischule für Papua.

1946 Malino – Konferenz bei Makassar (16. – 22 Juli) Vorbereitung einer indonesischen „Föderation“ durch die Niederländer. Erstmals wird der Name Irian für West Papua von dem Biaker Frans Kasiepo gebraucht.

1946 Verbannung von dr. Ratulangi mit Freunden nach Serui. (bis 1948). Er macht Propaganda für die Republik Indonesien. Einer seiner Anhänger: Silas Papare

Jan.1947 Gründung der Partai Kemerdekaan Irian Indonesia durch Silas Papare.

14.3.1948 Anti-Niederländischer Aufstand in Biak von Ambonesen und Papua, bei dem ein Niederländer ermordet wird.

27.12.1949 Anerkennung der Unabhängigkeit Indonesiens durch die Niederlande. Runde-Tisch-Konferenz: West Papua bleibt Kolonie der Niederlande. Über den politischen Status soll später verhandelt werden.

1954 Landung amerikanischer Missionare mit einem Wasserflugzeug auf dem Balimfluss in der Nähe von Hitigima (20.April).

1956 Die niederländische Verwaltung eröffnet einen Regierungsposten im Balimtal in der Nähe von Wamena.

1956 Gründung der Evangelisch-Christlichen Kirche (Gereja Kristen Injili = GKI) in West-Neuguinea (26. Oktober)

1959 Beginn der Missionsarbeit der GKI in Wamena durch Pfr. Zeth Rumere. Die GKI lädt die Vereinte Evangelische Mission (früher Rheinische Mission) ein, mit der Missionsarbeit im Yalimo-Gebiet zu beginnen. Diese Arbeit wird 1960/61 aufgenommen.

1960 Ankunft der Missionare Paul-Gerhard Aring, Siegfried Zöllner und Dr. Willem H. Vriend in West Papua.

24.3.1961 Ankunft von Zöllner und Vriend im Dorf Piliam im Yalimo-Gebiet. Aufbau der Station Angguruk

April 1961 Wahl und Einsetzung des Neuguinearates durch die niederländische Regierung. Die Niederlande versprechen, das Land bis 1970 zur Unabhängigkeit zu führen.

1.12.1961 Der Neuguinearat beschließt eine eigene nationale Flagge (die Morgensternflagge), eine Nationalhymne und eine eigenen Währung für „Papua Barat“ (West Papua)

19.12.1961 Trikora-Befehl Sukarnos: Ganz Indonesien muss West Papua vom niederländischen „Kolonialjoch“ befreien. Seitdem militärische Überfälle auf West Papua, die sogenannten „Infiltrationen“. Sie führen dazu, dass viele holländische Familien in die Niederlande zurückkehren.

15. 8.1962 Unterzeichnung des New Yorker Vertrages durch Indonesien, die Niederlande, die Vereinigten Staaten von Amerika und die Vereinten Nationen. Niederländisch Neuguinea wird zunächst an Indonesien übertragen. Doch die Unterzeichner verpflichten sich, nach spätestens sieben Jahren ein Referendum in West Papua durchzuführen, bei dem die Bevölkerung auch das Recht hat, sich gegen den Anschluss an Indonesien zu entscheiden.

1.10.1962 Übergabe der Verwaltung West Papuas durch die niederländische Regierung an die UNTEA (United Nations Temporary Executive Authority). Es etabliert sich bereits eine indonesische Verwaltungshierarchie. Die Periode unter indonesischer Militärdiktatur (bis 1989)

1.5.1963 Übergabe der Verwaltung von der UNTEA an die Republik Indonesien, Rückzug der UNO.

1963 Gründung der OPM (= Organisasi Papua Merdeka = Organisation für ein freies Papua). Die wichtigsten Führer der OPM mussten ins Ausland fliehen. Seitdem führt die OPM unter verschiedenen regionalen Kommandeuren einen bewaffneten Kampf auf niedrigem Niveau gegen die indonesische Besetzung von West Papua.

28.7.1965 Angriff der OPM unter Führung von Ferry Awom auf die indonesische Militärkaserne in Manokwari. Der Aufstand dauert einen Monat, Indonesien verstärkt die Truppen, vermutlich ca. 1000 Tote auf Seiten der Papua. Die ind. Armee beginnt die sog. Operation Sadar. Indonesische Soldaten töten Frau und Kinder von Ferry Awom.

30.9.1965 Staatsstreich in Jakarta, Sechs Generäle werden ermordet. Doch die Armee kann sich organisieren und beginnt eine maßlose Kommunistenjagd. Man schätzt dass ca. 1 Million Menschen umgebracht wurden.

1967 Erste Verträge des Bergbauunternehmens Freeport mit der indonesischen Regierung zur Ausbeutung der Kupfervorkommen im zentralen Bergland. Später wird von Seiten der Papua immer wieder betont, die indonesische Regierung habe zu diesem Zeitpunkt noch kein Recht gehabt, solche Verträge abzuschließen, weil der „Act of Free Choice“ noch nicht stattgefunden habe.

März 1968 General Suharto wird vom Volkskongress (MPR) zum Präsidenten gewählt.

1968 Die Front Pembebasan Papua Barat wird gegründet, Leiter ist Clemens Runawery, bald werden alle Mitglieder und Sympathisanten gefangen genommen.

1968 Die Vereinten Nationen bereiten sich vor auf ihre Mitwirkung bei der Durchführung des „Act of Free Choice“ und ernennen den Bolivianischen Diplomaten Ortiz Sanz zu ihrem Beauftragten.

24.2.1969 Die Provinzhauptstadt Sukarnapura wird umbenannt in Jayapura

14.4.1969 Innenminister General Amir Machmud besucht West-Papua und wird von ca 1000 Demonstranten empfangen, die „One man one vote“ fordern. Die Polizei verhaftete mindestens 100 Demonstranten.

27.4.1969 Aufstand in Enarotali (westl. Hochland) unter Beteiligung von Papua-Polizisten. Alle Flugpisten werden gesperrt. Das Flugzeug, mit dem General Sarwo Edhie in Enarotali landen wollte, wurde beim Landungsversuch beschossen. Militäroperation mit Fallschirmtruppen, viele Tote.

7/8 1969 Durchführung des „Act of Free Choice“, bei dem 1025 von der indonesischen Regierung handverlesenen Wahlmänner für den Anschluss West Papuas an Indonesien stimmen mussten. Inzwischen wird allgemein anerkannt, das die Abstimmung eine Farce war und die indonesischen Regierung mit voller Unterstützung der UNO das New York Agreement verletzt hat.

19.11.1969 Die Vollversammlung der UNO nimmt den Bericht über den „Act of Free Choice“ ohne Gegenstimmen mit 30 Enthaltungen zur Kenntnis, eine Gruppe afrikanischer Länder bringt zwei Änderungsanträge ein, die aber abgelehnt werden.

1.7.1971 Die OPM ruft unter ihrem Anführer Seth Rumkorem in der sog. Markas Viktoria im Hinterland von Jayapura die Unabhängigkeit West Papuas aus.

1977 Unruhen im Balimtal. Das Militär geht brutal gegen die Dani vor. Einsatz von Bombern, man schätzt, dass es 10.000 Tote gab.

26.4. 1984 Ermordung des Anthropologen Arnold Ap auf Befehl der indonesischen Regierung Flucht von ca. 10.000 Papuas aus dem Westteil Neuguineas nach Papua New Guinea.

1991 Erweiterung der Freeport – Konzession auf 2,6 Mill. Ha., gültig für 30 Jahre
April 1992 Übergabe eines Berichtes über Menschenrechtsverletzungen an die Kirchengemeinschaft Indonesiens (PGI) mit dem Titel: „Für Gerechtigkeit und Frieden“. Der Bericht wurde von der GKI erstellt, wurde aber im Ausland nie bekannt, da die PGI seine Veröffentlichung verhinderte.

1995 Veröffentlichung des Berichts über Menschenrechtsverletzungen im Umfeld der Kupfermine “Freeport“ bei Timika durch Bischof Munninghoff

1996 Spektakuläre Geiselnahme von 25 Wissenschaftlern aus verschiedenen Ländern durch Kelly Kwalik in Mapnduma (Januar), Tod von Dr. Thomas Wanggai im Gefängnis in Jakarta (13.3.), Aufstände und Unruhen in Timika, Abepura und Nabire.

10.5.1998 Rücktritt / Sturz Präsident Suhartos, Vizepräsident Baharuddin J. Habibie wird zum Präsidenten vereidigt.
Die Periode der sogenannten Reformära (bis heute)

6.6.1998 Nach einer Flaggenhissung auf dem Wasserturm in Biak richten aus Ambon eingeflogene Einheiten der Mobilen Brigade der Polizei in Biak ein Blutbad an. Danach Gründung des FORERI, eines Forums aller führenden Papua, um die Basis für einen Dialog mit der ind. Regierung zu schaffen.

19.2.1999 Empfang von 100 Papua-Vertretern durch Präsident Habibie in Jakarta. Tom Beanal fordert in einer Erklärung, die von allen 100 unterschrieben wurde, die Unabhängigkeit West Papuas. Die Begegnung zählt als der Beginn eines „Nationalen Dialogs“, der aber nie fortgesetzt wurde.

1999/2000 Lockerung der Situation und Gewährung mancherlei Freiheiten unter Präsident Abdurrahman Wahid, unter anderem Erlaubnis zur Hissung der Morgensternflagge zusammen mit der indonesischen Flagge. Die Erlaubnis wird schon im September 2000 zurückgezogen. Im Oktober muss Präsident Wahid zurücktreten. Die Vizepräsidentin Megawati Sukarnoputri übernimmt das Amt.

29.5.2000 Kongress der Papua in Jayapura. Wahl eines Papuarates und seines Präsidiums. Der Rat besteht aus ca. 500 Mitgliedern, die regional sog. „Panel“ bilden. Der Kongress beauftragt das Präsidium, auf friedlichem Wege durch nationalen und internationalen Dialog auf eine Unabhängigkeit Papuas von Indonesien hinzuarbeiten.

Aug. – Dez 2000 Schwere Unruhen in Sorong, Wamena und Abepura und an anderen Orten, oft anlässlich einer Flaggenhissung. Im ganzen Land werden mindestens 80 Personen von Polizei und Militär erschossen.

Juli 2001 Megawati Sukarnoputri, die Tochter des Staatsgründers Sukarno, löst Präsident Abdurrahman Wahid ab. Für Papua beginnt damit nach dem politischen Frühling wieder eine Eiszeit.

13.6.2001 Mord an fünf Polizisten und einem Mitarbeiter einer Holzfirma in Wondiboi (bei Wasior) an der Wandamenküste. Der Fall löste eine große Militäraktion aus, bei der es zu vielen Toten kam und zahlreiche Dörfer niedergebrannt wurden. Die ind. Menschenrechtskommission (Komnas Ham) ließ diesen Fall untersuchen.

10.11.2001 Ermordung des Vorsitzenden des Präsidiums, Theys H. Eluay, und seines Fahrers durch Kopassus-Soldaten.

2001 Der Polizeipräsident von West Papua, der Balinese I Made M. Pastika stößt eine Polizeireform an, nach der vorwiegend einheimische Papua ausgebildet und eingesetzt werden sollen. Wegen seiner Versetzung im Jahr 2002 bleibt die Reform stecken.

1.1.2002 Inkrafttreten eines Gesetzes Sonderautonomie für West-Papua (Gesetz Nr. 21/2001) Die Bestimmungen des Gesetzes werden nur halbherzig umgesetzt.

Februar 2002 Gründung eines Adatrates. Tom Beanal wird zum Vorsitzenden gewählt. Mitglieder des Adarates und des früheren Präsidiums sind identisch.

31.8.2002 Überfall einer bewaffneten Gruppe auf zwei Kleinbusse des Bergbauunternehmens Freeport in der Nähe der Minenstadt Tembagapura. Zwei amerikanische und ein indonesischer Lehrer der internationalen Schule sterben, 10 Personen werden verletzt, unter ihnen Amerikaner und Indonesier. Die Polizei stößt auf Indizien dafür, dass die berüchtigten Sondereinheiten Kopassus hinter dem Überfall stehen. Schwere Belastung des Verhältnisses Indonesien – USA.

21.9. 2002 Internationaler Friedenstag: Erster Friedensmarsch aller Religionen in Jayapura (Protestanten, Katholiken Muslime, Hindu Buddhisten)

27.1.2003 Präsidentenerlass (Inpres) Nr. 1 / 2003 zur Beschleunigung der Aufteilung Papuas in drei Provinzen. Heftige Debatten in den Zeitungen: Die Präsidentin verletzt mit dem Erlass das Gesetz zur Sonderautonomie.

4. 4. 2003 Einbruch in das Waffenlager des Militärs in Wamena durch Unbekannte. Der Einbruch führt zu einer brutalen Militäraktion gegen die Bevölkerung in der Umgebung von Wamena ( Kurawagi), bei der mindestens 11 Menschen erschossen wurden. Die ind. Menschenrechtskommission (Komnas Ham) ließ diesen Fall untersuchen.

23.-25.8.2003 Straßenschlachten in Timika anlässlich des Versuchs von Regierungsbeamten, die Provinz Mittel-Irian-Jaya auszurufen. Die Unruhen fordern fünf Tote. Die Provinz Mittel-Irian-Jaya kommt vorläufig nicht zustande.

10.12.2003 Die Yale Law School in New Haven /USA legt eine Studie vor, die zu dem Schluss kommt, dass „die ind. Regierung …die Konvention zur Verhinderung und Bestrafung von Genozid von 1948 verletzt hat.“

7.9.2004 Der Menschenrechtler und Begründer der NGO Kontras Munir wird auf einem Flug nach Singapur von einem Mittelsmann des ind. Geheimdienstes vergiftet.

14.9.2004 Der Mord an Pfr.Elias Tabuni durch ind. Sicherheitskräfte löst den Mulia-Konflikt aus, der zu einer Militäroperation der ind. Armee gegen die Bevölkerung führt.

Sept. 2004 Präsident Susilo Bambang Yudhoyono (SBY) wird in direkter Wahl vom Volk gewählt. Es ist eine Stichwahl, in der er sich gegen Megawati Sukarnoputri, durchsetzt. Der erste Wahlgang, bei dem sich fünf Kandidaten zur Wahl stellten, fand am 5. Juli statt.

26.12.2004 Ein Tsunami überflutet die Küsten von Aceh und Nias, mehr als 200.000 Tote

8.-9.9.2005 Freispruch des Menschenrechtsgerichtshofes Makassar nach seinem ersten Prozess: die Polizeioffiziere Daud Sihombing und Johnny Wainal Usman waren angeklagt als Verantwortliche für Folter an 20 Menschen (z.T. mit 4x Todesfolge) und Mord an drei Menschen durch die ihnen unterstellten Polizeitruppen am 7.12.2000 in Abepura. Das Urteil wirkte in Papua wie ein Schock.

31.10.2005 Einsetzung des Volksrates der Papua (MRP = Majelis Rakyat Papua) entsprechend dem Gesetz zur Sonderautonomie. Trotz massiver Einflussnahme des indonesischen Militärs ist die Mehrheit wohl nicht Jakarta-hörig. Zum Vorsitzenden wird der katholische Theologe Agus Alua gewählt.

15.11.2005 In Den Haag/Niederlande Übergabe der Studie von Prof. Dr. P.J.Drooglever an die Öffentlichkeit: Drooglever hatte im Auftrag der Niederländischen Regierung die Umstände der Übergabe West-Papuas an Indonesien in den Jahren 1962 bis 1969 historisch untersucht.
10.3.2006 Gouverneurswahl in der „Restprovinz“ Papua. Erstmals wird der Gouverneur direkt vom Volk gewählt.

11.3.2006 Gouverneurswahl in der abgespalteten Provinz „West-Irian-Jaya“, trotz vieler Proteste der Papua und vor allem trotz Protest des MRP. Damit geschieht wieder eine eklatante Verletzung des Autonomiegesetzes.

16.3.2006 Demonstration von Studenten mit der Forderung, die Freeport-Mine zu schließen. Es kommt zu Kämpfen mit der Polizei, vier Polizisten und ein Militär werden von Demonstranten getötet. Zahlreiche Studenten werden von der Polizei gesucht, viele fliehen nach PNG.

März 2006 Die australischen Behörden erteilen 42 West-Papua-Flüchtlingen auf ihren Asylantrag hin eine begrenzte Aufenthaltsgenehmigung. Diese Entscheidung führt zu einer schweren politischen Krise des Verhältnisses der beiden Länder.

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